Kommissionschef Borchert pocht auf Finanzierung für mehr Tierwohl

In der Debatte um mehr Tierschutz in den Ställen hat der frühere Bundesagrarminister Jochen Borchert eine verlässliche Finanzierung für die Landwirte hervorgehoben. «Mehr Tierwohl kostet mehr Geld. Daran geht kein Weg vorbei», erklärte der Vorsitzende einer Expertenkommission, die ein Konzept für grundlegend höhere Haltungsstandards vorgelegt hat. Neue Investitionen und umfangreiche Umbauten hätten lange Laufzeiten und würden in der Regel über 20 Jahre abgeschrieben. Auch höhere laufende Kosten schon bei ersten Maßnahmen wie Einstreu, Beschäftigungsmaterial, deutlich weniger Tieren pro Fläche und damit verbundene Mehrarbeit kosteten viel Geld.


Borchert reagierte damit auch auf Kritik der Verbraucherzentralen an einem Steueraufschlag für tierische Produkte, den seine Kommission ins Gespräch gebracht hat. Denkbar wären unter anderem 40 Cent pro Kilogramm Fleisch und Wurst. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) setzt sich für eine solche «Tierwohlabgabe» ein, die als eine Verbrauchssteuer umgesetzt werden könnte. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte eine neue «Fleischsteuer» abgelehnt und für andere Finanzierungswege geworben. So könne man staatliche Förderung für Stallumbauten verlässlich für zehn oder 20 Jahre über Verträge zusagen, wenn Landwirte bessere Tiergesundheit garantierten.


Borchert stimmte Forderungen der Verbraucherschützer zu, dass das geplante staatliche Tierwohlkennzeichen für Fleisch aus besserer Haltung «spätestens bis zur Bundestagswahl» gebraucht werde. Pläne für das Logo auf freiwilliger Basis stecken seit Monaten in der großen Koalition fest. Mehr Tierwohl gehört auch zu den Themen einer neuen «Zukunftskommission Landwirtschaft» der Bundesregierung. Sie kommt an diesem Montag zu einer Auftaktveranstaltung zusammen, daran will auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnehmen.

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